"Gschichtä vom Giigämaa: Giigägschichtä!"



Das Abenteuer des Geigers

Der Geiger Hans Jöri von Sargans sollte einst in Lichtenstein drüben an einer Kilbe aufspielen. Er machte sich schon am Vorabend au den Weg, um am nächsten Morgen im Städtlein allerlei Geschäfte zu besorgen. Spät erst kam er unterhalb Balzers über den Rhein. Es war schon tiefdunkle Nacht.

Da wurde er plötzlich von artig gekleideten Leuten angeredet und von der Lindstrasse abseits gerufen ein hell erleuchtetes Haus, as dem ihm fröhlicher Lärm entgegenscholl. "Ei, da gibt's einen guten Schluck für den Durst und ein paar Batzen Nebenverdienst obendrein. Ja, unverhofft kommt oft", dachte der Hans Jöri wohlgemut, obwohl er sich nicht erinnern konnte, an dieser Stelle je ein Haus gesehen zu haben. Über eine hohe Stiege kamen sie in einen Saal, wo eine glänzende Gesellschaft beieinander war, und toll und voll ging's her. Er solle gleich aufpielen, aber nicht auf seiner eigenen Geige. Und man reichte ihm eine silberne Geige samt Fiedelbogen. Die sang und klang, als musizierten die Engel im Himmel.

Und bald ging der Tanz an, dass einem die Augen flirrten und der Staub wolkenweise aufflog. In den Pausen musste der Hans Jöri an einem schön gedeckten Tisch mit auserlesenen Speisen und Getränken in kostbarem Geschirr sich gütlich tun. Ein feiner Herr, derselbe, der ihm die Geige gegeben hatte, bedeutete ihm jedoch, er solle sich&lsquos nach Herzenslust munden lassen, aber auf nichts achten, was um ihn her vorgehe, und sich durch nichts stören lassen, was auch geschehen möge, vor allem aber solle er kein Sterbenswörtchen beim Trinken aussprechen. Dem Hans Jöri kam das zwar sonderbar vor, aber "wo's Bruch ischt, leit ma d'Kuah i d's Bett", dachte bei sich und nickte nur, und spielte einen Tanz nach dem andern auf bis gegen Morgen, und zwischen hinein liess er sich's allemal weidlich schmecken. Auch kümmerte sich keiner von den Gästen weiter um ihn.

Aber alsgemach wurde es ihm so mutterseelenallein unter dem lauten Volk denn doch ein wenig langweilig zumute. Auch machten der feurige Wein und das Getümmel im Saal ihn warm und mitteilsam, so dass er schliesslich, den schweren Silberbecher nach einem guten Schluck mit einem kräftigen Klapf auf die Tischplatte abstellte und halblau vor sich hinmurmelte: "Gsundheit, Hans Jöri! Fürchts der nüt, so geschieht der nüt!"

Kaum aber war ihm das Wort über die Lippen, da war mit einem Schlag Tisch und Tanz und Saal und Sang verschwunden. Und der Hans Jöri sas im Frühlicht auf dem Vaduzer Galgen, statt des Silberbechers einen Kuhfuss in der Hand, und statt der Geige hielt er eine tote Katze am Schwanz. Da sass er nun und musste warten, bis ein früher Wanderer des Weges kam und im Städtlein berichtet hatte. Da kamen sie mit einer Leiter, und der Hans Jöri konnte endlich mit froststeifen Gliedern von seinem luftigen Nachtsitz heruntersteigen. Unter dem Galgen aber lag seine eigene Geige. Er ist aber seither nie mehr am späten Abend über den Rhein gegangen.


Röselichranz, Verlag Sauerländer Aarau



"Und gegeiget muess sein!"

Der Vater der Noemie säumte auf dem Hubel. Am Abend war er todmüde und führte die Rosse in den Stall. Dann sagte er zum Bozen, der in dieser Hütte sein sollte: "Ja nun, heute magst du geigen, ich mag nicht mehr weiter." Und sofort tönte und schrie es: "Und gegeiget muess sein!"

Da verging dem Mann die Lust, in dieser Hütte zu bleiben. Er stand auf und kehrte heim, obwohl es fürchterlich regnete.


Walliser Alpensage aus Gondo





Das Geigerlein unter den Hexen

Die Leute in Wildschönau wissen noch allerlei Geschichten von Hexen zu erzählen, d. h. die alten, denn die jungen glauben nimmer dran. Gar übel pflegten von alters die Hexen in der Weihnacht den anderen Menschen mitzuspielen, und wer zur Christmette ging, mußte von den Unholden viel Zauberspuk erdulden.

So begab sich einmal in der Christnacht ein gar lustiges Geigerlein vom Innertal zur Mette nach Oberau. Er hatte ein mächtiges Kenteltrumm in der Hand, das ihm auf den Weg leuchtete. Das Männlein trug aber seine Geige mit sich unterm Arm, denn es gedachte bei der nächtlichen Feier ein wenig mitzugeigen. Da kam es auf dem Wege an einer Brechelstube vorbei und sah vor der Tür derselben eine Brechel stehen. Das war sonderbar, und gleich stieg im Geigerlein der Gedanke auf, die Brechel da könnte wohl gar eine verwandelte Hexe sein. Die Hexen, dachte es, nehmen den kürzesten Weg durch die Luft, und da das Männlein schon ein wenig müde war, setzte es sich auf die Brechel. Leiten werde ich das Ding schon können, meinte es, wenn es zu fliegen anhebt. Und die Brechel hub wirklich zu fliegen an und flog so schnell wie der Wind talauf, aber das Männlein vermochte sein Reitpferd nicht zu lenken, wie es vermeint hatte. Die Brechel trug es auf den Lemmersberg und ließ sich dort oben gemach zur Erde nieder.

Das Geigerlein stieg ab und gewahrte bald zahlreiches Hexenvolk, das ihn im Kreise umstellte. Alle führten sie ihre Hausbesen bei sich, auf welchen sie heraufgeritten waren.

Nach einer Weile hüben sie einen Tanz an, und das Geigerlein mußte wohl oder übel dazu eines nach dem andern aufspielen. Endlich kam gar der Herr Satan in seinem Sechsspänner angefahren, und nachdem ihn die Hexlein so eine Weile hofiert hatten, ging das Hopsen von neuem los. Das Geigerlein war vom Spielen müde geworden, und noch immer war kein Aufhörens. Da kam ihm ein schlauer Einfall. Er spielte auf einmal keinen Hopser mehr, sondern die Arie: "Himmel, tauet den Gerechten!" Im Nu war der Spuk zerstoben, das Geigerlein aber saß auf der äußersten Spitze eines überhangenden Felsens und mußte geduldig da sitzen bleiben, so schneidig auch, der Wind blies, bis es Tag wurde. Erst da konnte es sich aus seiner gefährlichen Lage ziehen.


Tiroler Alpensage, Adolf Mühlegger, Dorfschule 1960



Der Säge-Giger

Im Aufeld liegt seit alter Zeit eine Säge. In dieser wohnte einst ein Mann, welcher in der Fasnacht und zur Kirchweih den jungen Leuten zum Tanze aufspielte. Man nannte ihn, weil er bei solchen Anlässen stets mit seiner Geige erschien, den Säge-Giger. Er war aber ein liederlicher Bursche, der sich oft betrank und dann dem Unvernünftigen gleich tat.

Allein sein wüstes Treiben fand ein jähes Ende. Als er einst seine Tanzgeige bis in den frühen Morgen hinein hatte ertönen lassen, begab er sich betrunken auf den Heimweg. Er irrte vom Wege ab, und am Morgen fand man ihn tot im Sagebach. Seine Glieder waren starrgefroren und die Geige, auf die er gestürzt war, zertrümmert. Man begrub ihn in einer abgelegenen Ecke des Friedhofs, wo sonst nur die Selbstmörder bestattet wurden, ohne Sang und Klang. Aber er fand in seinem Grabe keine Ruhe. In der heiligen Zeit (vor Weihnachten) hörte man oft die klagenden Töne seiner Geige,. Der Säge-Giger war aufgestanden und wandelte um Mitternacht geigend nach dem Aufeld bis an den Fuß des Rachlis und wieder zurück unter die alte Dorflinde von Mosnang, wo die Fidel verstummte und der Geiger wieder hinabstieg in das Reich der Schatten.


Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 453, S. 268



Der Tanz auf Palfries

Die Knechte auf der "Bäschneralp" hatten beschlossen, einmal einen lustigen Tag zu haben, und bestellten zu diesem Zwecke zwei Geiger und einige Mädchen aus dem Dorfe Bärschis auf die Alp. Mit diesen zogen sie nach der benachbarten Alp Palfries, wo im alten Rathausgebäude ein ordentlicher Platz zum Tanzen war.

Nachdem sich dann besagte Alplergesellschaft den ganzen Tag hindurch nach ihrer Art aufs tollste amüsiert hatte, wollten die Mädchen gegen abend wieder nach Hause zurückkehren. Allein die Knechte hielten sie zurück und tanzten mit ihnen bis zum kommenden Morgen, obwohl sich während der Nacht ein fürchterliches Donnerwetter mit Hagelschauer über die Alpen ergossen hatte und niemand zur Besorgung und Überwachung der Herde in der "Bäschneralp" geblieben war.

Der Leichtsinn kam die Knechte teuer zu stehen; denn während des Hagelwetters war fast die ganze Sente über die Felswände hinausgesprungen und zu Grunde gegangen, und die fahrlässigen Hirten mussten, so weit ihr Vermögen hinreichte, den Schaden vergüten. Nebst dem müssen sie seither auch nach dem Tode in den betreffenden Nächten und so oft Hagelwetter eintritt ihr sorgloses und mutwilliges Treiben auf Palfries fortsetzen.

Jäger Wildhaber von Sargans übernachtete im Spätherbst 1816 an der erwähnten Stelle und war eben damit beschäftigt, sich zu seinem Nachtessen einen "Tatsch" zu bereiten, der in einem Kesseli ob dem Feuer lustig brodelte, als ein Mann mit grünem Hute zur Türe hereintrat und ihm barsch befahl, sich schnell zu entfernen, weil eine Gesellschaft nachkomme und man ihn dann hier nicht brauchen könne. Wildhaber erwiderte: "Meinen "Tatsch" muss ich doch noch fertig backen," und während er dies sagte, wendete er ihn im Kessel um, so daß die heiße Butter mit vielem Geräusch Hochauf zischte.

Die angesagte Gesellschaft, bestehend aus 3 Paaren, war unterdessen schon in Begleit von 2 Geigern angerückt; Wildhaber hatte kaum noch Zeit, den "Tatsch" aus dem Kessel in seinen Filzhut zu schütten und damit zur Türe hinauszueilen, als die Musik begann und ein wilder Tanz eröffnet wurde


Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 155, S. 74



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